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Dieter Baacke Preisträger 2017

Herausragende medienpädagogische Projekte in Frankfurt ausgezeichnet.


Sich befreien und dabei aktiv etwas über Medien lernen? Ob Making, Coding, QR-Code-Rallye, Trickfilm oder Hörstücke: Im selbst entwickelten Escape-Game experimentieren Kinder und Jugendliche kreativ mit digitalen Medien. Der Dieter Baacke Preis, die bundesweite Auszeichnung für medienpädagogische Projekte, liefert Beispiele und Methoden, wie neuartig, vielseitig oder auch gut vernetzt Medienbildung und Medienpädagogik heute sein kann: Eine ganze Schule arbeitet gemeinsam in einem demokratischen Prozess zur Handynutzung in der Schule. Jugendliche einer Förderschule entwickeln in selbst erstellten Filmen Fallbeispiele, die ihnen eine risikoarme Nutzung digitaler Medien ermöglichen. Kinder experimentieren mal künstlerisch mal naturnah mit Medien und erfahren so schon früh, wie sich mediale und non-mediale Aneignung von Welt kreativ verbinden lässt.

Eine ganze Wahl faken? Erstmalig wurde in diesem Jahr ein Sonderpreis zu dem Jahresthema Medienkritik vergeben. Das Preisträgerprojekt TRUMP IT! hat an einer Schule eine ganze Wahl aktiv inszeniert, mit allen dazugehörigen medialen und digitalen Strategien. Hut ab: So schnell, innovativ und nahe dran an den Jugendlichen medienpädagogisch zu (re-) agieren, ist eine Besonderheit der außerschulischen Medienpädagogik. Dies wird zunehmend von Schulen als Partner wahrgenommen und wertgeschätzt.

Die Dieter Baacke-Preisträger verdeutlichen schon heute, wie Medienpädagogik und Medienbildung ganz bald überall aussehen sollte.

Herausragende Medienprojekte mit Kindern und Jugendlichen stehen im Mittelpunkt des Dieter Baacke Preises. Alljährlich zeigt der mit 12.000 € dotierte Preis, wie die Förderung der Medienkompetenz besonders gut gelingen kann.

Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend verleihen seit 2001 gemeinsam die bundesweite Auszeichnung für herausragende medienpädagogische Arbeit. 158 Bewerbungen lagen der Jury vor, acht herausragende Projekte wurden prämiert.

„Der Dieter Baacke Preis liefert uns eine Standortbestimmung, mit welchen Methoden der digitale Wandel vor Ort erfolgreich medienpädagogisch gestaltet werden kann. Er zeigt auf, welche Impulse die Medienpädagogik in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen setzen kann, aber auch welche Erfahrungen, Fragestellungen und Kompetenzen Kinder und Jugendliche selbst in Medienprojekte einbringen“, so Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley in ihrer Grußbotschaft zur Preisverleihung.

Die GMK-Vorsitzende Prof. Dr. Dorothee Meister wies – vor dem Hintergrund der diesjährigen Jahrestagung der GMK „Futurelab Medienpädagogik: Qualität. Standards. Profession“ – auf die vielfältigen digitalen Entwicklungen hin: Diese bringen tiefgreifende Herausforderungen für die medienpädagogische Praxis mit sich. „Die ausgezeichneten Projekte zeigen, wie sich Kinder und Jugendliche auch durch Angebote, die in den Bildungsalltag fest integriert sind, spielerisch, kreativ und reflexiv mit diesen Veränderungen auseinandersetzen.“

GMK-Vorsitzende und Jury-Mitglied Sabine Eder zeigte sich erfreut, dieses Jahr u.a. ein Projekt auszuzeichnen, dem es in vorbildlicher Weise gelingt, auch Jugendlichen mit Förderbedarf im Bereich kognitiver Entwicklung sowie Jugendlichen mit Beeinträchtigung der Hörfähigkeit einen risikoarmen und zugleich an Chancen orientierten Umgang mit Online-Medien zu vermitteln: „Das Projekt ist innovativ und vorbildlich, auch weil es bislang für diese Zielgruppe an entsprechenden Methoden der aktiven Prävention mangelte.“

Im Mittelpunkt der Auszeichnung stehen Methoden und pädagogische Ansätze, die Medienpädagogik auch als Modelle inspirieren. Der Dieter Baacke Preis wird in sechs verschiedenen Kategorien verliehen. Acht Projekte wurden in diesem Jahr in den sechs Kategorien ausgezeichnet.

Die Preisträger 2017 sind:

Kategorie A „Projekte von und mit Kindern“

Das Medienatelier – Digitale Medien als eine von 100 Sprachen
Pädiko e.V. – Kita Colorito, Kiel (1.000 €)

Ein Atelier, das Kitakinder anregt, Medien und ihre gestalterischen und explorativen Möglichkeiten kennenzulernen. Dabei werden Fotografie, Beamer, Laptop, Drucker und Drawpad als Werkzeuge genutzt. Die Kinder lernen Medien als Instrumente der Aneignung und Untersuchung von Welt kennen und nutzen sie zugleich als Mittel des kreativen Ausdrucks und Experimentierens. Das Atelier verdeutlicht, wie medienpädagogische Angebote in den Gesamtablauf des Kitaalltags integriert und mit verschiedenen Bildungsbereichen in der Kita verknüpft werden können.

medienlaboratorium – Eine medienpädagogische Spielwiese für Kinder
zukunftswerkstatt dresden gemeinnützige GmbH in Kooperation mit OUTLAW gGmbH (1.000 €)

Ein umfangreiches Projekt, bei dem sich Kinder im offenen Angebot/Hort einer Grundschule mit unterschiedlichen Medien und Medienthemen ausprobieren und auseinandersetzen können. Internet, Foto, Film und Trickfilm, Audio und Stadterkundung sind Teil der medienpädagogischen Spielwiese. Ihr erworbenes Wissen geben die Kinder Peer-to-Peer als „Expert*innen“ an andere Kinder weiter. Das Projekt knüpft an der Lebenswelt der Kinder an, eröffnet ihnen zugleich neue Möglichkeiten der Mediennutzung und fördert Bewertungs- und Kritikfähigkeiten. Auch Eltern sind in den Prozess einbezogen.

Kategorie B „Projekte von und mit Jugendlichen“

Die Zeit läuft – Das Abenteuer-Rätsel-Projekt
SAEK Leipzig (2.000 €)

Kniffelige Aufgaben lösen, um gemeinsam rauszukommen, das ist der Zauber der beliebten Escape-Rooms. Wie ein solches Konzept auch die Medienpädagogik beflügeln kann, zeigt der SAEK Leipzig. Die beteiligten Kinder und Jugendlichen bearbeiten diverse medienpädagogische Aufgaben: Zum Einsatz kommen u.a. Making, Coding sowie kreative Audio- und Filmarbeit. Die Mädchen und Jungen lernen dabei QR-Codes, Scratch, Audiobearbeitung, Makey Makey und Trickfilm aktiv kennen. Ein origineller Ansatz, um Medienkompetenz mit Spiel-Elementen zu verknüpfen. Vielfältig adaptierbar.

Kategorie C „Interkulturelle und internationale Projekte“

Young Refugees TV und Fernsehmagazin Begin Your Integration
Offener TV-Kanal Bielefeld e.V. / Kanal 21 (2.000 €)

Im Magazin Young Refugees TV zeigen junge Geflüchtete das Leben in Deutschland aus ihrer eigenen Perspektive. Dabei spielen vielfältige Bildungsaspekte eine Rolle: Sozialraumerkundung, Integration/Inklusion, kulturelle und politische Bildung und Teilhabe, deutsche Sprachkenntnisse, Selbstausdruck und gemeinschaftliches Produzieren sowie das Wahrnehmen und Wertschätzen kultureller Vielfalt. Die Teilnehmenden erwerben grundlegende filmische Kompetenzen und produzieren eigenständig Beiträge. Der OK kombiniert in seinem Angebot Medienkompetenz, Alltagsorientierung, Integration und Beteiligung mit Berufsvorbereitung. In der Redaktion von Begin your Integration arbeiten Deutschmuttersprachler mit Refugees zusammen. Die Geflüchteten werden im gemeinsamen kreativen Austausch von Ideen und Konzepten zum aktiven Sprechen und Schreiben ermutigt. Nicht nur in der gemeinsamen Produktion wird der Austausch mit „Einheimischen“ gefördert. Auch Interviews dienen zur direkten Kontaktaufnahme und Befragung nach selbst gewählten Themen. Zudem erstellen die Geflüchteten audiovisuelle Tutorials, die Alltagsorientierung bieten und bei der Integration helfen. Ein herausragendes Modell für offene Kanäle, Medienzentren und weitere Bildungskontexte.

Kategorie D „Intergenerative und integrative Projekte“

Durchblick im Netz – Ein medienpädagogisches Präventionsprojekt für Jugendliche mit und ohne Behinderung zur Förderung der risikoarmen Teilhabe im Internet
EigenSinn e.V., Bielefeld (2.000 €)

Wie auch Jugendlichen mit Förderbedarf im Bereich kognitiver Entwicklung sowie Jugendlichen mit Beeinträchtigung der Hörfähigkeit ein risikoarmer und zugleich an Chancen orientierter Umgang mit Online-Medien vermittelt werden kann, zeigt dieses Projekt. In einer eigens entwickelten Methodik, die Rollenspiel, Filmarbeit und bedarfsgerechte Kommunikation verbindet, gelangen Kinder und Jugendliche im Sinne der Inklusion zu mehr „Durchblick im Netz“. Ein innovatives Projekt, da es bislang für diese Zielgruppe an entsprechenden Methoden der aktiven Prävention mangelte.

Kategorie E „Projekte mit besonderem Netzwerkcharakter

Smarte Regeln statt Verbote: „Smart“phone Projekt
Bremische Landesmedienanstalt und ServiceBureau Jugendinformation in Kooperation mit der Oberschule Findorff und dem Lidice Haus (1.000 €)

Mit fast 1000 Menschen gemeinsam ein medienpädagogisches Problem zu lösen, war das Hauptziel des Projektes „Smart“phone. Um statt eines allgemeinen Verbotes neue zeitgemäße Handyregeln demokratisch zu etablieren, vernetzen sich nicht nur Institutionen: Es arbeiten auch alle Schüler*innen aus 33 Klassen sowie Eltern und Lehrer daran mit. Statt einer heimlichen Nutzung – mit anschließenden Sanktionen – soll ein kompetenter und selbstreflektierter Umgang mit den Geräten gefördert werden. Eine ganze Schule befasst sich tiefgehend mit den Vor- und Nachteilen der Smartphone-Kommunikation. Ein im besten Sinne ebenso ergebnis- wie prozessorientiert reflektierendes Netzwerk, das als Modell für ähnliche und weitere Aktivitäten dienen kann.

Ingelheimer Medientage und Mini-Medientage
Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Erziehungswissenschaft, AG Medienpädagogik; Kooperationspartner: Kriminalpräventive Sicherheitspartnerschaft Ingelheim mit Unterstützung der Schulsozialarbeit der Grundschulen (1.000 €)

Ein lebendiges, seit Jahren zusammenarbeitendes Netzwerk von Universität und Schulen liefert ausgehend von der Universität Mainz ein Beispiel für weitreichende Medienarbeit. Studierende bieten an jeweils drei Tagen die Medientage für 3. und 5. Klassen in Ingelsheim an. Die klassen- und schulübergreifenden Workshops umfassen ein breites Themenspektrum: virtuelle und reale Kommunikation, Mediennutzung, Medienwissen, Apps, Computerspiele, Cybermobbing, Hate Speech, Fake News, Kettenbriefe, Soziale Netzwerke, YouTube, Datenschutz und Datensicherheit. Auch Eltern und Lehrer werden mit einbezogen. Ein herausragendes Modell, das aus der Wissenschaft Medienpädagogik in die Praxis bringt, reflektiert, weiterentwickelt und verstetigt.

Kategorie F „Projekte zum jährlichen Sonderthema 2017 – Medienkritik“

TRUMP IT! Medienwahlkampf macht Schule
JFF – Institut Jugend Film Fernsehen Berlin-Brandenburg e.V., Berlin, in Kooperation mit Aktive Naturschule Prenzlau, gefördert von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) und dem Deutschen Kinderhilfswerk (DKHW) (2.000 €)

Was kann die Medienpädagogik von Trump & Co. lernen? Welche Rolle spielen Populismus, Fake News und Gerüchte für Wahlen in einer Mediendemokratie? Von der Parteigründung bis zur Wahl – sieben Tage lang lernen die Schüler*innen zentrale Stationen eines Wahlkampfs spielerisch kennen. Das Wechselspiel der verschiedenen Akteure verwandelt die Schule in eine mediendemokratische Bühne, auf der politische Themen und deren mediale Inszenierung diskutiert werden können. Ein herausragendes Projekt, welches politische Bildung und Medienpädagogik miteinander verbindet, die Medienkritik vielfältig entwickelt, auch als Modell der Kooperation zwischen Schule und außerschulischer Institution.

Dieter Baacke Preis:

Der Dieter Baacke Preis richtet sich an Projekte außerschulischer Träger (z.B. Jugendzentren, Kindergärten, Träger der Jugendhilfe oder Familienbildung, Medienzentren und Medieninitiativen) und Kooperationsprojekte zwischen schulischen und außerschulischen Trägern. Die Projekte sollten im Vorjahr entstanden sein oder im laufenden Jahr bis zur Bewerbungsfrist beendet sein. Bewerben können sich Institutionen, Initiativen oder Einzelpersonen mit innovativen, originellen oder mutigen Projekten zur Förderung einer pädagogisch orientierten Medienkompetenz. Bewerbungsschluss ist der 31. Juli des laufenden Jahres.

Information und Anmeldung: www.dieter-baacke-preis.de.

Dieter Baacke (1934-1999) war Professor für Pädagogik an der Universität Bielefeld. Von 1984 bis 1999 war er Vorsitzender der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK). Sein pädagogisch begründeter Begriff der Medienkompetenz inspiriert dauerhaft Wissenschaft, Praxis und Politik. 

Gefördert vom: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Gutes Aufwachsen mit Medien

Die GMK:

Die Preisverleihung war eingebettet in das jährlich stattfindende Forum Kommunikationskultur der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) e.V., dem die Mitgliederversammlung der Gesellschaft voranging. Zur Wahl des GMK-Bundesvorstand konnte die bisherige Doppelspitze, Sabine Eder, Blickwecksel e..V. und Prof. Dr. Dorothee M. Meister erneut im Amt bestätigt werden; das Kuratorium der GMK wurde ebenfalls neu zusammengesetzt. Als Ehrenmitglied in die GMK wurde Prof. Dr. Horst Niesyto aufgenommen.

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