Das mit der Zivicourage …
admin am 6. Juli 2011
Zivilcourage, laut Wickipedia “bürgerlicher Mut”, zeigt in westlich orientierten Gesellschaften derjenige, der die Wertorientierungen der jeweiligen Gesellschaften offen und ohne Rücksicht auf eigene Nachteile vertritt. Dies erfordert Mut, da derjenige, der Zivilcourage zeigt, möglicherweise mit Repressionen durch Autoritäten, Vertreter der herrschenden Meinung oder sein soziales Umfeld zu rechnen hat. Die Theater AG des Gymnasiums Lüchow konnte dazu Erfahrungen am eigenen Leib erfahren, hier der Bericht:
Von links hinten: Carolin Wunschelmeier, Kerstin Otto, Nicole Stepniak, Thomas Flocken, Julia v. Thoen, Alexandra Müller, Ole Achmed Bielfeld.
Vorne links: Carolin Teschner, Anna-Lena Richter, Constanze Gnodtke, Andreas Püst
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„Echt krass“ fand Anna-Lena die Situationen, die sie im Rahmen eines Theaterworkshops spielte. Zivilcourage war das Thema und in den Szenen ging es z.B. um häusliche Gewalt oder Drogen. Oder auch darum, Menschen, die anders aussehen, anzumachen, zu schubsen, ihnen etwas wegzunehmen oder sie gar zu verprügeln.
Aber von vorn: Zivilcourage ist das diesjährige Hauptthema des Kreispräventionsrates, und so war der Weg von der Idee des versteckten Theaters bis zur Kontaktaufnahme mit dem Fach Darstellendes Spiel am Gymnasium Lüchow recht kurz. Große Neugier war allerseits vorhanden und mit dem Schauspielkollektiv Lüneburg mit seinen präventiven Ansätzen in der Theaterarbeit stand auch ein professioneller Partner zur Umsetzung der Idee zur Verfügung.
Arbeitsintensive, aber unvergessliche vier Tage bescherten den acht teilnehmenden Schülerinnen des 11.Jahrgangs schließlich die Workshop-Einheiten in der Schule und die Liveauftritte auf dem Spargelsonntag in Lüchow. Obwohl bei allen schon Erfahrungen aus der Arbeit in Unterricht und Theater- AG vorhanden waren, gab es mit den Profis doch ganz neue Herausforderungen.
Die Schülerinnen, die Gewalt aus ihren eigenen Lebenszusammenhängen nicht kennen, sollten nun überzeugend und vor echtem Publikum, das zudem nicht ahnt, dass es sich in einer inszenierten Situation befindet, Szenen spielen, „die uns wirklich Mut abverlangt haben“, sagt Nicole. Die Situation von zwei „Typen“ so richtig angemacht und festgehalten zu werden, möchte Alexandra in Wirklichkeit nicht erleben.
In einer vorbereitenden Übung sollten sie sich in Menschen aus dem Mittelalter versetzen, die ausgerechnet nach Lüchow gebeamt wurden, gekleidet wie Menschen von heute, aber mit der Lebenserfahrung aus dem Mittelalter, was noch eine eher lustige Angelegenheit war. Das aus der Sicht des Mittelalters gespielte Erstaunen darüber, dass es in einem (Kühl)Schrank so ungemein kalt war, wo draußen doch sommerliche Temperaturen herrschten, oder darüber, dass sich durchsichtige Türen lautlos von allein öffneten, zog immer wieder befremdliche Blicke auf die muntere Truppe.
Bei den anschließend gespielten Szenen zur Zivilcourage hätten sie schon erwartet, dass mehr Leute einschreiten, meint Alexandra. Umso größer das Erstaunen, dass sich kaum ein Passant dafür interessierte, wenn Jugendliche offensichtlich “total besoffen“ und hilflos vor einem Schaufenster lagen. Eine Szene wurde fast eine halbe Stunde gespielt und bei der Auflösung waren die „Zeugen“ dann plötzlich verschwunden, wollten sich wohl nicht rechtfertigen müssen, meint Carolin. Sie berichtet auch von einer Szene, in der zwei „Penner“ attackiert und beleidigt wurden, man ihnen die Taschen wegtrat und schließlich auch sie selbst mit Tritten drangsalierte. Auch hier setzte sich nur eine Person für das Opfer ein. Nur zwei- bis dreimal wurde eingegriffen. „Ist das etwa Zivilcourage?“ fragt Anna-Lena.
Hoffnungsvoll macht, dass es auch zahlreiche Situationen in den gespielten Szenen gab, in denen sehr schnell Hilfe geleistet wurde, insbesondere, wenn es darum ging Hilfe zu leisten. „Die Menschen nicht nur zu sensibilisieren, sondern sie auch für Angst machende Situationen vorzubereiten, zu trainieren, ihnen Mut zu machen, das sollte Inhalt einer präventiven Arbeit sein“, meint der Leiter der Lüchower Polizei Thomas Meyn.
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