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21.Februar.2010 │ AEJN e.V.

Der Trend geht zum Zweitprofil!

Medienpädagoge Jens Wiemken, http://www.byte42.de

Mobbing und Cybermobbing - Handlungsorientierungen für Intervention und Prävention


Jedes zehnte Kind in Norddeutschland leidet nach einer Forsa-Umfrage unter Mobbing. Zehn Prozent der Eltern hätten angegeben, dass ihr Kind von Mitschülern schikaniert und ausgegrenzt werde. Besonders Elf- bis 14-Jährige seien betroffen. Das Problem trete in allen Schulformen und bei Jungen und Mädchen gleichermaßen auf. Die Techniker Krankenkasse hatte die Umfrage in Auftrag gegeben. Nach ihren Angaben wurden 1.000 Eltern von Kindern zwischen sechs und 18 Jahren befragt.

Dass Kinder und Jugendliche sich gegenseitig das Leben mit Hänseleien, Gemeinheiten und anderen Attacken schwer machen, ist nichts Neues. Neu ist, dass die Verbreitung von Gemeinheiten und Drohungen mit Hilfe neuer Medien ungeahnte und schwer überschaubare Dimensionen erreicht. Für die betroffenen Mädchen und Jungen ist Mobbing per Internet oder Handy in der Regel ähnlich belastend wie direkte Attacken. Erschwerend kommt hinzu, dass die Angreifer oft nur schwer zu identifizieren sind.

Der Medienpädagoge Jens Wiemken beleuchtete im Rahmen der aejn e.V.-Delegiertenversammlung im Anne-Frank-Haus in Oldau die Hintergründe und Folgen von »(Cyber)-Mobbing« und vermittelte Ansatzpunkte für Gegenstrategien in der Arbeit mit Mädchen und Jungen. Er blickt auf mehr als 20 Jahre medienpädagogische Arbeit zurück und legt Wert darauf in der praktischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen immer wieder den direkten Zugang und die konkrete Auseinandersetzung mit den jugendlichen NutzerInnen praktizieren zu können. Er hielt sein Referat im Auftrag der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM), die für Multiplikatoren im schulischen und außerschulischen Bildungsbereich Präsentationen zur »Aktion Sicheres Internet« anbietet. Sie geben einen guten Einstieg in die Problematik des Jugendmedienschutzes. Die Aktion besteht aus den drei Informationsveranstaltungen zum Thema Jugendmedienschutz: "Gefährdungspotenziale des Internets/Web 2.0"; "Formen und Gefahren der Handynutzung";  "Virtuelle Welten und Computerspiele". Über die Kooperation neXTmedia können anerkannte Träger der Jugendarbeit diesen und 2 weitere Bausteine (Medienpädagogik in der Jugendleiter-innen-Ausbildung sowie Qualifizierung zum mediascout) schnell und einfach anfragen und buchen!

Jens Wiemken zeigte zu Beginn den Spot »Wo ist Klaus«, der auf (klicksafe.de) zu sehen ist und machte damit die Gesamtdimension der Problematik deutlich ehe er auf die Definition, Beschreibung, Ausbreitung und Folgen von Cybermobbing einging. Die Chancen und Risiken bietet die Internetplattform Web 2.0, das als Mitmachweb die Rahmen und Regeln vorgibt, die Inhalte jedoch von den NutzerInnen eingestellt werden. Die Kinder und Jugendlichen haben mit dem Medium die Möglichkeit »ihr Leben live aufzunehmen und direkt hochzuladen.« Damit wird es für alle sichtbar. Es handelt sich deshalb zunehmend um eine »Echtzeit-Generation«, die sich mit mehreren Profilen im Netz bewegt und somit verschiedene Identitäten haben (kann).

In der Diskussion fokussierte die Grundfrage »Wie können wir als Jugendverband Jugendliche in unseren Gruppen und Freizeiten sensibilisieren?« folgende Aspekte:

  • Umgang mit "Tätern"
  • Umgang mit "Opfern"
  • Umgang mit "Mitläufern"

 Deutlich wurde, dass besonders schwierig Abwehrstrategien sind, wenn man von Leuten bedrängt, erpresst oder lächerlich gemacht wird, die man immer wieder trifft, weil man sie schon länger kennt oder weil man mit ihnen befreundet war – oder wenn man im Internet oder per Handy gemobbt wird und gar nicht weiß, wer dahinter steckt.

Wichtig bei jeder Art von Mobbing ist jedoch: Verheimlichen bringt nichts, es ist besser, darüber zu reden. Sich jemandem anzuvertrauen und gemeinsam zu überlegen, was zu tun ist. Es ist dabei nie zu spät, sich Unterstützung zu holen. Auch wenn das Mobbing schon länger andauert, ist das kein Grund zu schweigen.

Tipps gegen Mobbing im Internet

  • Privatsphäre schützen - Überlege dir genau, was du von dir im Internet preisgibst. Denk darüber nach, welche Bilder du von dir in Communities veröffentlichst oder was andere über dich wissen sollen. Je mehr du von dir erzählst, desto größer wird deine Angriffsfläche.
  • Nicht auf Mobbing reagieren - Wenn du beleidigende oder unangenehme Nachrichten bekommst, per Mail oder per SMS, antworte nicht, auch wenn es schwer fällt. Reagierst du doch, fühlt sich der Absender bestätigt und zum Weitermachen aufgefordert. Sollten die Nachrichten nicht aufhören, eröffne einen neuen E-Mail-Account oder besorge dir eine neue Handynummer.
  • Nutze die Möglichkeit, jemanden zu sperren oder zu melden, der sich dir oder anderen gegenüber schlecht verhält. Bei SchülerVZ kannst du beispielsweise Nutzer ignorieren oder ablehnen. Bei den Messenger z. B. ICQ kannst du ebenfalls Namen, mit denen du nicht in Kontakt treten willst, in deiner Kontaktliste entsprechend kennzeichnen.
  • Beweise sichern - Speichere die Mails, SMS und Bilder, in denen du beleidigt und heruntergemacht wurdest. Solche Beweise werden dir helfen, anderen zu zeigen, was passiert ist. Und sie können helfen, die Mobber zu ermitteln (durch deinen Mobilfunkanbieter, deinen Internetanbieter oder bei der Polizei).
  • Andere Jugendliche unterstützen - Schau nicht einfach zu, wenn du merkst, dass jemand in Foren oder per Handy gemobbt wird. Wenn du fiese Bilder oder Filmchen über andere bekommst, schickt sie nicht weiter, sondern lösche sie (es sei denn, der oder die Betroffene braucht sie als Beweis).
  • Wenn du Gewalt erlebt hast - Wenn man gemobbt wird – oder in anderen Gewaltsituationen – fühlt man sich irgendwie schlecht: wütend, hilflos, aggressiv, einsam. Man könnte schreien oder heulen, man möchte zurückschlagen und sich rächten. Manche Leute haben das Gefühl dass sie sich falsch verhalten haben und dass sie den Angriff irgendwie hätten vermeiden können. Aber solche Gefühle sind ziemlich normal.


Aber niemand kann etwas dafür, wenn er oder sie angegriffen worden ist. Verantwortlich für die Gewalt sind die Täter, nicht die Opfer. Es ist also nicht deine Schuld, wenn das passiert ist, und es braucht dir auch nicht peinlich zu sein. Sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust: Eltern, Freunde, Geschwister, Lehrer. Das kann wichtig sein, um das Erlebnis und die miesen Gefühle besser zu verarbeiten, aber auch, um zu überlegen, was du jetzt unternehmen willst, z. B. eine Anzeige erstatten oder mit Profis in einer Beratungsstelle oder einem Beratungsforum im Internet zu reden. Quelle: »Es geht um Gewalt«  Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen www.jugendschutz-niedersachsen.de

 

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