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Fast 100 Praktiker, Experten und Jugendpolitiker waren der Einladung des Stadtjugendringes Hannover zum Fachtag „Jugendverbandsarbeit wirkt - und wie!“ gefolgt und führten einen regen Austausch über Stärken und Herausforderungen der Jugendverbandsarbeit.
Jugendgruppen und Zeltlager, Fahrten und internationale Begegnungen prägen nicht mehr so deutlich das öffentliche Bild von Jugendarbeit, und dennoch gibt es sie noch, die Gruppen der Pfadfinder und Falken, die Lager von ev. Jugend und Naturfreundejugend, die internationalen Begegnungen von CVJM und BDKJ. Jahr für Jahr sind Tausende von Kindern und Jugendlichen mit diesen Verbänden unterwegs. Die Verbände sind gleichzeitig Selbstorganisationsstruktur für Jugendliche und Erziehungsinstitution.
Und dass diese Bildungsfunktion in der Gesellschaft mit ihren rasanten sozialen und demografischen Veränderungen immer wichtiger wird, beschrieben hochkarätige Fachleute in ihren Vorträgen und Referaten.
Dr. Wibke Riekmann von der Universität Hamburg sieht Chancen für Demokratiebildung in Jugendverbänden, wenn bestimmte Bedingungen angestrebt und eingehalten werden. Zentrale Punkte sind dabei freiwillige Mitgliedschaft und ehrenamtliches Engagement. Im Austausch, Verständigung und Auseinandersetzung können Jugendliche wichtige Schlüsselqualifikationen für die Erwachsenengesellschaft lernen. Weiter führte sie aus, dass Demokratie weit über die Definition als Regierungsform in der repräsentativen Demokratie hinausgeht. „In Gruppen und Verbänden realisiert sie sich im gelebten Alltag: Demokratie wird in Jugendverbänden abseits von Gremien und Vorständen als Lebensform verwirklicht.“ so die Hamburger Wissenschaftlerin.
Dr. Katrin Valentin von der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen sieht Möglichkeiten der Werteerziehung in Gruppe und Verband, die mit der Veränderung von Lebenslagen junger Menschen kompatibel sind. Diese Möglichkeiten konnte sie anhand einer Untersuchung zur evangelischen Jugendarbeit belegen. „Jugendliche finden durch Freunde und Familie zu den Jugendverbänden, aber sie bleiben, wenn sie den Eindruck haben, mitbestimmen zu können.“, so Valentin in ihren Ausführungen. Gesamtgesellschaftlich ermunterte sie die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung einen Perspektivwechsel vorzunehmen. „Jugendliches Engagement in Jugendverbänden ist ein Geschenk für die Gesellschaft und nicht Jugend ein zu bewältigendes Problem.“
Ansgar Drücker formulierte im Anschluss Herausforderungen für die Jugendverbandsarbeit, die sich aus den gesellschaftlichen Veränderungen ergeben. In seinem Vortrag spitzt er dies auf das Begriffspaar Inklusion – Vielfalt zu. Jugendverbände und – Jugendringe müssen sich der Realität einer Einwanderungsgesellschaft stellen.
Ein weiterer Höhepunkt waren die best-practice-Projekte, die von Jugendgruppen aus hannoverschen und norddeutschen Verbänden vorgestellt wurden. Eine Gruppe berichtete von einem Nistkastenprojekt, eine andere von ihrem Zeltlager, ein Verband stellte sein Sorgentelefon für Jugendliche vor.
In einer anschließenden Podiumsrunde wurden die Ergebnisse auf die Stadt Hannover bezogen. Hier stellten sich auch Vertreter der Landeshauptstadt Hannover der Diskussion: Bereichsleiter Volker Rohde äußerte Respekt für die Leistung der Jugendverbände und ermunterte sie, sich auch in der jugendpolitischen Diskussion selbstbewusst auf die eigenen Stärken zu besinnen.
Die Chancen und Möglichkeiten in der Arbeit der hannoverschen Verbände wurden erkannt. Förderlich sind stabile Infrastrukturen, die eine kontinuierliche und flexible Arbeit ermöglichen. Die immer wieder neue Förderung von immer wieder neuen kurzfristigen und in der Dauer befristeten Projekten ist dabei wenig hilfreich.
Mit vielen Eindrücken machten sich die TN auf den Heimweg, bis nach Rostock, Jena oder Dresden.